Nachdem ich vor knapp einem Monat mein altes Navi durch das iPhone 4S mit skobblers Navi2 ersetzt habe, und bis auf einige Kleinigkeiten auch sehr zufrieden bin, durfte mich heute Waze durch meinen Arbeitstag auf ein paar Hundert Kilometern deutscher Strassen begleiten.
Das Konzept, soziale Kollaboration zu Nutzen, um Navigation mit Echtzeit-Verkehrsdaten zu ermöglichen, hat mich spontan begeistert. Allerdings war ich sehr skeptisch, ob das System hier schon gut genug funktioniert. Im Dunstkreis US-amerikanischer Metropolen wird es sicher schnell genügend aktive Teilnehmer geben. Aber hierzulande? Und dann noch fernab der Großstädte?
Überrascht war ich dann, wieviele andere Wazer mir unterwegs tatsächlich begegnet sind. Die werden nämlich als Icons auf der Karte dargestellt. Und auf der Karte wimmelt es nur so von Cupcakes. Cupcakes?! Ja, Cupcakes. Verstanden hab ich nicht so ganz, warum ich beim Autofahren ala PACman Punkte sammeln soll, indem ich Cupcakes sammle. Naja.
Der optische Eindruck von Waze ist wirklich gut, die Kartendarstellung und Animation gefällt. Einigen Nutzern wird es sicherlich zu verspielt daher kommen. Leider sticht auch von Anfang an die sehr schlechte deutsche Umsetzung ins Auge und stört an einigen Stellen sogar die Nutzbarkeit der Funktionen.
Wenn man die Zieladresse manuell eingegeben hat (eine Verbindung zu den Adressdaten aus den Kontakten fehlt leider bisher), wird die Route flott berechnet und man hat auch die Möglichkeit, sich alternative Routen berechnen zu lassen und dann auszuwählen.

Unterwegs wird man rechtzeitig auf Abzweigungen und ähnliches hingewiesen. Entdeckt man ein Hindernis, eine Baustelle oder einen Stau, kann man dies mit wenigen Taps den anderen Wazern mitteilen. Die Eingabe von Detailtexten ist während des Fahrens deaktiviert und funktioniert erst bei Stillstand an der nächsten Ampel. Hat man einen Beifahrer, kann dieser die Sperre allerdings umgehen.
Eine Möglichkeit die Vollsperrung einer Strasse einzugeben, damit man generell auf eine Ausweichroute geführt wird, existiert leider (noch) nicht. Steht aber auf der Roadmap. Auch Warnungen beim Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit fehlen leider, dafür wird mit ”Achtung Geschwindigkeitskontrolle!” deutlich auf kommende Blitzer hingewiesen. Sollte man während der Fahrt auf einen Stau oder eine Kontrolle hingewiesen werden, die offensichtlich nicht mehr exisitiert, kann man die Meldung mit einem Tap auf “Meldung aufheben” entfernen.

Das Kartenmaterial hat hier und da auch noch ein paar Macken. So klafft in der A7 beim Dreieck Drammetal eine grosse Lücke. Wie man auf dem obigen Screenshot sieht, hat auch die Route ein wenig weiter vor mir ein Loch. Ich wurde dann gebeten dort links abzubiegen, was auf der Autobahn nicht wie eine guter Rat schien. Die Lücke in der A7 gab mir allerdings die Gelegenheit, mein kleines blaues Auto gegen eine niedliche Dampfwalze zu tauschen, mit der man neue Strasse hinzufügen kann. Eine animierte Dampfwalze auf der Karte ist für das Kind im Manne eine tolle Sache. Ergeben hat sich daraus die rote Linie (bin extra für den Screenshot noch mal zurückgefahren) und ich bin sehr gespannt, ob das die Lücke tatsächlich in naher Zukunft schliesst. Ich habe die Stelle auch genutzt um die anderen Wazer per Tap auf den Fehler in der Karte hinzuweisen und bin auch da neugierig, wie gut das funktioniert.
[Update: Die Lücke hat sich inzwischen bereits wie von Geisterhand geschlossen. Die dynamische Karte, die automatisch aus den GPS-Daten erstellt und ständig aktualisiert wird, funktioniert offensichtlich grossartig.]
Das man auf Autobahnen nicht links abbiegt, kann sich jeder denken. Aber auch andere Ansagen der freundlichen Dame führen gelegentlich zu Verwirrung. Mich hat sie nicht aufgefordert “Bitte wenden!”, sondern “Links abbiegen und dann sofort links abbiegen!”. Zufall? Oder tut sie das immer?
Waze hat mich erfolgreich überall hin und auch wieder zurück ins Büro gebracht. Auch wenn ich zwischendurch ob der teilweise sehr umständlichen Routenführungen so meine Zweifel hatte. Hier hat skobbler nach meinen Erfahrungen der letzten Wochen eine deutlich bessere Figur gemacht. Aber nach meinen bisherigen Erfahrungen reicht es bereits aus, ein Ziel ein einziges mal erfolgreich über eine selbstgewählte Route zu erreichen, um diese in Zukunft angeboten zu bekommen.
Fazit: Wenn ich auf dem schnellsten oder kürzesten Weg auf unbekanntem Terrain irgendwohin möchte, werde ich mich noch nicht auf Waze verlassen. Im normalen Alltag werde ich Waze aber sicherlich meist “mitlaufen lassen” und die weitere Entwicklung beobachten. Das Konzept ist einfach schön und bis auf kleine Macken Verbesserungsmöglichkeiten schon sehr gut umgesetzt.
Ausserdem verspüre ich den Drang da vorne kurz in die Seitenstrasse abzubiegen und den Cupcake einzusammeln… ;)
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